Vortrag über Malaria in den Rheinauen

  

Clemens Herrmann, Jürgen Blum, Richard Karl, v. l. - Foto Elfriede Herrmann
Bis auf den letzten Platz gefüllt war der „Martinskeller“, als Schulpädagoge i. R. Jürgen Blum in einem mitreißenden Vortrag über den Wandel der Zeit in den Rheinauen seine Zuhörer informierte. Unterstützt wurde er dabei von einem weiteren Kenner der Landschaft, von Richard Karl, vom Historischen Verein Neuried-Altenheim. Zuerst ging Referent Blum auf die Zeit und das Leben vor der Rheinbegradigung durch Oberst Tulla ein. Überschwemmungen bis in die Dörfer richteten immer wieder große Schäden an, ließen sogar einige Dörfer  auf ewige Zeit untergehen. Die Stechmücken- und Schnakenplage war im Sommer brutal. Einmal gestochen konnte das zum Tode führen, da man zu der Zeit keine geeigneten Medikamente zur Verfügung hatte. Die Malaria grassierte im ganzen Rheinvorland. Durch die Rheinbegradigung durch Tulla und Schiffbarmachung durch Honsell verbesserte sich die Lage. An den Rändern des Rheines ließ man Weichhölzer wachsen, die man als Brennholz nutzte. Zum Schutz des Hochwassers baute man entlang des Rheines Polder ein. Mit der Zeit bildete sich eine Vielfalt von Pflanzen- und Tierwelt. Anhand von Bildmaterial zeigte Blum, wo herrliche Orchideen und Blutweiderich wachsen; aber auch die zugewanderten Pflanzen wie die Goldraute und indisches Springkraut. Wasservögel wie Schwäne, Enten, Wasserralle, Rohrdommel; bei den Säugern Bisamratten, Nutrias und vieles mehr, leben an und im Wasser neben dem Rhein. Dazu noch Fische, Schlangen, Frösche und Lurche. Um auf die Lebensgefährlichkeit am Rhein zurück zu kommen, ließ Richard Karl das schwere Unglück im Jahre 1888 Revue passieren, als Altenheimer Gemeinderäte und der Bürgermeister auf dem Rückweg mit dem Kahn vom „Altenheimer Hof“ bei Nebel die Orientierung verloren und im Rhein elendiglich ertranken. Jürgen Blum verstand es mit seinem Vortrag in 90 Minuten seine Zuhörer zu fesseln. Ein mancher Wanderer, zu Fuß, mit Fahrrad oder Boot, wird in Zukunft die Rheinauen aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Vorsitzender Clemens Herrmann bedankte sich bei Referent Jürgen Blum und seinem Assistenten Richard Karl mit einem Verzehrgutschein und einem guten Tropfen Wein. 

 

Vortrag über die Mundart auf der Baar

  

Der Mundarterzähler und Mundart-dichter Hubert Mauz von der Baar war Gast im Martinskeller. Heiter-besinnliche Geschichten in reinster Form der „Baaremer“ Mundart trug der Wolterdinger/Donaueschinger den zahlreichen Zuhören vor. Die ländlich/bäuerliche Landschaft der Baar lieferte den Stoff für den noch jugendlichen Beobachter, der sich mit feinen Sinnen, die Geschichten und Vorkommnisse in seiner Umgegend merkte und in sich aufnahm. Da war die Geschichte vom „frommen Roß“, einem wunderschönen Schwarzwälder Fuchs, mit blonder Mähne, der der heimischen Weide heimlich entlief. Alles Suchen von der Besitzerfamilie und Nachbarn war zwecklos. Das Pferd blieb verschwunden. Als nach einer Woche die Altbäuerin frische Blumen und Weihwasser in eine kleine Kapelle am Waldrand bringen wollte, lag der „Braune“ sterbend, verhungert und verdurstet vor dem Altar. Er hatte sich in die Kapelle verirrt und mit einem Tritt gegen die Tür selbst eingesperrt. Der alte Blumenstrauß in der Kapelle und der leegesoffene Weihwasserkessel war zu wenig für das Überleben des Pferdes und so fuhr der „Fuchs“ in den Pferdehimmel ein.
Es war eine Hommage an den Vater, als er erzählte, wie dieser während der Nazizeit die Gesinnungstreuen zur Weißglut brachte. Er funktionierte einen hakenkreuzverzierten Stahlhelm zu einer „Gülleschapfe“ um. Mit langem Stiel düngte er damit seinen Garten mit der „wohlriechenden Soße“. „Eine Schapf für Adolf, eine für Hermann G., eine für Göbbels….“
Der Donaueschinger Friedhof, von Kasernen umgeben, da standen oft muslimisch geprägte Marokkaner, Berber und farbige Menschen an den Kasernenfenstern und staunten über die Gebräuche der Christen, die mit Weihrauchfass hantierend, wassersprengend die Toten beerdigten. Das wurde von der Jugend des Ortes des Öfteren mit einer Salve Platzpatronen „begleitet“.
Auch die heimlichen und nicht immer jugendfreien Kinobesuche kamen zur Sprache. Insbesondere deren Finanzierung. Es wurden nämlich Tage vorher die Münzen, die Besucher in die Donauquelle im Schlosshof von Donaueschingen warfen, mit Hilfe von Magneten herausgefischt, das war zwar verboten aber der Kinobesuch ja auch.
Hubert Mauz fesselte mit seiner Erzählweise die Zuhörer mit vielen weiteren Anekdoten. So ging ein unterhaltsamer Abend zu Ende. Vorsitzender Clemens Herrmann dankte dem Redner für den gelungenen Abend und überreichte ihm einen guten Tropfen badischen Weins aus der nahen Hanglage des Schwarzwaldes, mit dem Hinweis, dass dieser Wein auch nach der Reise auf die Baar noch genüsslich verkostet werden kann.
Der Bruder von Hubert Mauz, Heinz, ist mit einer Schutterwälderin verheiratet und beide sind verantwortlich für die Finanzlage eines Fördervereins für krebskranke Kinder in Donaueschingen. Der Bitte für eine Spende für die kranken Kinder kamen die Zuhörer gerne nach und so wanderten die Scheine in das bereit gestellte Körbchen, dessen Betrag von achtzig Euro, nach Abzug von Unkosten (auch die Gemeinde verzichtete in dankbarer Weise auf die
Saalmiete) im Elternhaus der Schutterwälderin Maria, geb. Seigel hinterlegt werden konnte.


Vortrag zu Joseph Hirschbühl II, Baumeister der Schutterwälder Pfarrkirche und vergessener Bürger von Schutterwald

 

  

Eugen Hansmann
Eugen Hansmann, fundiert u. informativ

 

Eugen Hansmann führte spannend und informativ durch das Thema.

Zum Ende des Jahres 2016 konnte der Historische Verein noch ein herausragendes Ereignis verzeichnen. In einem bis auf den letzten Platz besetzten Saal referierte am 25. Oktober2016 unser Mitglied Eugen Hansmann innerhalb eines brillanten Vortrages über unseren Kirchenbaumeister Joseph Hirschbühl II. In einem zweistündigen Vortrag, mit Bildpräsentation, lüftete Eugen Hansmann viele Geheimnisse über Joseph Hirschbühl und seine Familie, die aus einer Vorarlberger Baumeistersippe stammen. Der Stammbaum und die Daten der Sippe, recherchierte er direkt in Lingenau, dem Geburtsort Hirschbühls, auf dem dortigen Rathaus und in den im Internet einsehbaren Kirchenbüchern. Herausforderung war die Lesbarkeit der Texte. Diese waren in lateinischer Sprache und in Sütterlin-Schrift verfasst.

Während der Jahrhundertwende von 1900 verschwanden aus dem Pfarrarchiv und aus dem Schutterwälder Rathaus auf dubiose Weise Akten über den Kirchenbau von Schutterwald. So war nahezu forensische, intensive Forschung andernorts gefragt. Von Eugen Hansmann wurden viele Indizien zusammen getragen, die dann erörtert und vertieft wurden. Eine wichtige Fundstelle war der nur noch im Antiquariat auffindbare dritte Band Die Vorarlberger Barockbaumeister von Norbert Lieb. Darin ist Joseph Hirschbühl explizit als Erbauer unserer Pfarrkirche genannt. Das Leben und Wirken des genialen Kirchenerbauers in unserem Ort und darüber hinaus, kann nun fast vollständig nachvollzogen werden. Noch heute fließt in einigen Schutterwälder Familien das Blut der Hirschbühls; denn er heiratete die Schutterwälderin Theresia Lipps und war 40 Jahre Bürger von Schutterwald. Ein begeistertes Publikum auch aus vielen umliegenden Gemeinden leistete stürmischen Beifall für unseren Referenten. Verein und Vorstandschaft schließen sich dem Dank aller Zuhörer herzlich an.

Namenkunde mit Prof. Konrad Kunze

 

 

 

Engagiert, leidenschaftlich und humorvoll gestaltete Prof. Kunze seinen Vortrag über Namenkunde aus der Heimat und der Region.

 

 

Einen hervorragenden Fachmann für Namenkunde konnte der Vorsitzende des Historischen Vereins im ehrwürdigen Saal von St. Jakob in Schutterwald begrüßen.
„Wo kommen eigentlich unsere Nachnamen in unserer Gemeinde, der Region und des Landes her“? Prof. Dr. Konrad Kunze von der Albert-Ludwig-Universität Freiburg stellte die Frage in den Raum und gab auch gleich die Antwort dazu. Noch vor achthundert Jahren gab es in unserem deutschen Lande keine Nachnahmen. Selbst die jeweiligen Herrscher wurden nur mit ihren Vornamen genannt, jedoch immerhin mit markanten Beibezeichnungen – „Karl der Große“, „Kaiser Barbarossa-Rotbart“, „Ludwig der Kühne“ usw. Bei den Untertanen lief es ähnlich - „Andreas der Ältere“, „Joseph der Jüngere“, „Wilhelm der Dünne“. Spätestens als in der damaligen Großstadt – Köln - mit dreißigtausend Einwohnern zehntausend Männer mit Namen „Johannes (Hans) wohnten, musste eine Änderung geschaffen werden. Aus den Vornamen wurden Nachnamen zusammengebastelt. Dabei wurde in den einzelnen Regionen unterschiedlich vorgegangen. Im Norden wurde aus Gustav – Gustafsson (nach Sohn), der Jens hieß Jens Jensen (nach Senior). In südlichen Gefilden wurden Namen mit Endungen versehen, die klanglich gut nachvollziehbar waren: Hans-ert, Hans-mann und Ähnliche. Verniedlicht klang es, wenn ein „le“ anhing, wie Elble, Maile, Häberle. Großen Einfluss auf die Namen hatten die Berufe der Männer (Frauen waren meist ohne Beruf). In großer Zahl gab es Be(ä)cker, Schmid, Weber, Wagner, Bauer, Schneider, Sattler.
Die Erkenntnisse von Prof. Dr. Kunze basieren auf statistischen Erhebungen der Telefonbucheinträge. Hier kann er auf elektronischem Wege schwerpunkt- und zahlenmäßig Namen erfassen und wo sie regional herstammen. Dass es dabei durch Wegzug, sei es verwandtschaftlich oder beruflich, zu Veränderungen und regionalen Vermischungen kam und kommt, versteht sich von selbst.
Anhand von Grafiken konnte Prof. Kunze gezielt erläutern, wo noch heute die Sippen herkamen und heimisch waren und sind. Mit seiner unterhaltsamen Art, gestaltete er den Vortrag vor zahlreichem Publikum, kurzweilig mit seiner besonderen Note und zog so die Zuhörer in seinen Bann.
Vorsitzender Clemens Herrmann bedankte sich herzlich beim Referenten mit „flüssigem, badischen „Gold“, bevor dieser mit der Bahn wieder seine Heimreise nach Freiburg antrat.

 

 

Barocke Notenschrift

 

 

 

Hanns-Peter Schöbel gibt in seinem Referat Einblicke in die Geschichte des Notendruckes.

Nach seinem Erstvortrag über die Erfindung des Steindruckes (Alois Senefelder), knüpfte Herr Schöbel im März 2015 in seinem Vortrag beim Historischen Verein in Schutterwald über die Weiterentwicklung der Technik bis hin zum Notendruck an. Der Offenbacher Komponist und Musikverleger Johann Anton  André erkannte das Potential dieser Entwicklung und erwarb 1799 von Alois Senefelder aus München dessen Nutzungsrechte. Zur Verbreitung dieser Kulturgüter waren die Drucktechniken wichtige Voraussetzung.

Als bemerkenswerte kulturelle Leistung des Abendlandes soll das System der schriftlichen Fixierung musikalischer Werke von Offenbach aus als Weltkulturerbe beantragt werden. Der Vortragende, Hanns-PeterSchöbel, widmet sich im Arbeitskreis für Druck- und Mediengeschichte IDAM), Leipzig, der Geschichte der Reproproduktionstechnik, des Stein- und Flachdruckes, wie auch der Geschichte des Musiknotendruckes.

All das zeigte er in seinem Power-Point-Vortrag. Ebenso stellte er die barocke Notenschrift eines in Schutterwald aufgefundenen und da genutzten Gradualbuches vor. (Als Graduale werden Psalmabschnitte oder biblische Verse zwischen der alttestamentlichen Lesung und der Epistel (erste Lesung) in der katholischen Messe bezeichnet).

Im Mittelpunkt des Vortrages stand die jahrhundertealte Technikgeschichte, vor allem aber die Entwicklung, Gestaltung und Vervielfältigung von Noten- und Titelblättern mit den verschiedenen, grafischen Verfahren.

Namens der interessierten Zuhörer dankte Vorsitzender Clemens Herrmann dem Referenten und überreichte ihm einen Verzehrgutschein.

 

Das Elsass verstehen

  

Zu einem hochinteressanten Vortrag lud der Historische Verein Schutterwald am 3. November in den Martinskeller ein. Oberstudienrat a. D. Pierre Klein aus Huttenheim, Elsass, referierte über die Sprachkultur im abendländischen Raum, besonders jedoch in seiner Heimat, dem Elsass, Lothringen, Baden und dem gesamten deutschsprachigen Raum. Anhand von Grafiken zeigte er, wie sich die Sprache aus dem Keltischen, Lateinischen und Romanischen bis zum Alemannischen entwickelte. Dabei betonte er: „Der Rhein war nie eine Sprachgrenze. Der Strom war eher verbindend“. Man sprach auf beiden Seiten des Rheins dieselbe Sprache, denselben Dialekt. Die Sprachgrenze ist zu den französisch-königlichen und zu den deutsch-kaiserlichen Zeiten, bis in die gegenwärtige Zeit eine politische Grenze. General Charles de Gaulle verbot nach dem 2. Weltkrieg jeglichen Deutschunterricht in den Schulen. Das „Elsasserditsch“ wurde nur noch auf den Schulhöfen und zu Hause gesprochen. Im Radio, den Zeitungen und Television musste das „deutschsprachige“ auf ein Minimum reduziert werden. Für die Pariser Regierung war die elsässische (deutsche) Muttersprache keine genehme Sprache, die es galt und gilt auszumerzen. Engagierte Professoren an den Universitäten, Hochschullehrer, Schriftsteller und Kabarettisten wehrten sich dagegen und bildeten Bürgeriniativen für den Erhalt der zweisprachigen Kultur. Zum Teil mit gutem Erfolg. Durch sie wurde und wird die elsässische Muttersprache weiter gepflegt und gefördert. Trotzdem stehen die Prognosen eher schlecht. Die jungen Elsässer verlieren immer mehr ihre Zweisprachigkeit, die sie jedoch schon wegen ihrer Aussichten im Beruf dringend bräuchten. Anhand einer Grafik zeigte Pierre Klein auf, das in den elsässischen Gegenden, wo sich die deutsche Sprachkultur am stärksten auf dem Rückzug befindet, die meiste Arbeitslosigkeit herrscht. Pierre Klein, der sowohl Mitbegründer der deutsch-französischen Schule in Kappel-Grafenhausen, als auch Präsident der „Gesellschaft der Freunde der zweisprachigen Kultur im Elsass“ und Präsident der „elsässischen Bürgeriniative für Einheit und Vielfalt“ ist, wird nicht müde, als unverbesserlicher Optimist sich auch in Zukunft für die Zweisprachigkeit im Elsass einzusetzen.
Der Referent wurde für seinen überwiegend im „elsässerditsch“ gehaltenen Vortrag mit starkem Beifall belohnt. Vorsitzender Clemens Herrmann überreichte ihm zum Dank ein kleines „Genusskörbchen“.
Für weitere Informationen:
http://www.centre-culturel-alsacien.eu/
http://www.netcomete.com/Lisa/PierreKlein_das_elsass_verstehen.pdf

 

 

Auf den Spuren der Adelsfamilie Freiherr von Hirsch auf Schloß Ortenberg


Vortrag im Mai 2014 im Martinskeller in Schutterwald
 

Theodor Freiherr von Hirsch, Repro: Hermann Bürkle

 

Hochinteressant und umfangreich war der Vortrag des Ortenberger Heimatforschers und ehrenamt-lichen Schloßführers Hermann Bürkle über die Adelsfamilie Freiherr von Hirsch, die als die letzten adeligen Besitzer auf Schloß Ortenberg lebten. Die Gesamtfamilie von Hirsch waren meist reiche Geschäftsleute, die in Deutschland und auch international tätig waren. Ihre Blütezeit hatten sie im 19. Jahrhundert. Mit ihrem Großgrundbesitz und Beteiligungen an der aufkommenden Industriealisierung vergrößerten sie ihren Reichtum. Auf der anderen Seite übersahen Sie auch nicht die Armut der auf dem Lande lebenden Bevölkerung. Mit Stiftungen versuchten sie so manche Not der Armen zu lindern. Ein Familienmitglied, Theodor Freiherr von Hirsch lebte als Einziger der Familie noch nicht auf einem Schloß. Im späten 19. Jahrhundert erwarb er das Ortenberger Schloß von der Familie von Berckholtz, die das Schloß im heutigen Stil erbauen ließ. Theodor Freiherr von Hirsch, geboren am 11. September 1838 in München, war verheiratet mit Freifrau Alice von Hirsch, geboren am 23. Mai 1846 in New Orleans/U.S.A. Das Paar lebte bekanntermaßen glücklich auf Schloß Ortenberg. Der Freiherr starb am 6. September 1916, die Freifrau am 14. Januar 1932 auf Schloß Ortenberg. Sie hinterließen 2 Kinder.
Über den ganzen Vortrag zu berichten wäre zu umfangreich. Mehr lesen Sie unter „Die jüdische Geschichte Ortenberg/Baden“ im Internet unter
http://www.alemannia-judaica.de/ortenberg_juedgeschichte.htm


Der Vorsitzende des Historischen Vereins Schutterwald, Clemens Herrmann, bedankte sich herzlich bei dem Referenten und überreichte ihm einen Gutschein für das leibliche Wohl, einlösbar in seiner Heimatgemeinde Ortenberg.
 

     

Constantin Fehrenbach (Reichskanzler mit Ortenauer Wurzeln)

 

 

Herr Dr. Dr. Christian Würtz (*1971)  Leiter der Seelsorgeeinheit vorderes Kinzigtal, also auch Stadtpfarrer von Gengenbach, hielt diesen Vortrag bereits in der badischen Bibliothek in Karlsruhe (Okt. 2012) und in Ortenberg (Nov. 2012). Als Gemeinschaftsveranstaltung der Historischen Vereine Neuried und Schutterwald sprach er am 24. April 2013 über dieses Thema in Dundenheim.

 

Die Familie Fehrenbach stammt aus Wellendingen im Schwarzwald. C. Fehrenbachs Vater war ab 1867 Lehrer in Dundenheim und später in Ortenberg. Constantin Fehrenbach war zu der Zeit 15 Jahre alt und verbrachte in Dundenheim seine Jugendjahre. Die Mutter Rosina geb. Gruseck stammte aus Kürzell. Eine Schwester (Mathilde) von Constantin verheiratete sich nach Dundenheim mit dem Landwirt Adolf Kopf, eine andere nach Ortenberg mit dem Lehrer Laubenberger. Ein Bruder (Hermann) starb 22jährig als Junglehrer (Breisach) in Dundenheim.

Constantin Fehrenbach sollte auf Wunsch der Eltern Pfarrer werden. Nach dem Abitur studierte er 19jährig in Freiburg zuerst Theologie, danach Jura und wurde Rechtsanwalt in Freiburg. Politisch fasste er in der Zentrumspartei Fuß und wurde zuerst Landtagsabgeordneter für den Kreis Kenzingen, Ettenheim/Herbolzheim, Wolfach, Lahr, in dessen Eigenschaft er 1901 in den Reichstag gewählt wurde. Hier wurde er durch eine denkwürdige Rede über die Grenzen  Deutschlands bekannt, als er in der „Zaberndebatte“ die Ehre der Elsäßer verteidigte, die durch die Übergriffe des Militärs ausgelöst wurde.

1917 wurde er zum Vorsitzenden des Hauptausschusses des Deutschen Reichstages gewählt. Vom 8. Juli 1918 bis November 1918 wurde er Präsident des Deutschen Reichstages. Vom 14. Februar 1919 bis 5. Juni 1920 leitete er als Präsident die verfassungsgebende Weimarer Nationalversammlung.

Kurze Amtszeit   

Höchste Verantwortung lag in seinen Händen als Reichskanzler vom

25. Juni 1920 bis 4. Mai 1921. Mit Reichspräsident Friedrich Ebert gehörte Fehrenbach zu den Männern, die in der Zeit nach dem Zusammenbruch Deutschland vor dem Absturz in den Radikalismus retteten. Die durch die Siegermächte hervorgerufenen Umstände führten am 4. Mai 1921 zum Rücktritt des Kabinetts Fehrenbach. 

In der Folgezeit widmete sich Fehrenbach der parlamentarischen Arbeit im Reichstag. 1923 wurde er zum Vorsitzenden der Zentrumsfraktion gewählt. Die letzten Lebensjahre waren von vielen Gegensätzen überschattet. Er distanzierte sich scharf vom Antisemitismus. Constantin Fehrenbach starb im Alter von 74 Jahren unerwartet am 26. März 1926 hochgeehrt als Ehrenbürger in Freiburg.

Die Nachkommen Fehrenbachs veranstalteten um 1990 bis 2005 in Abständen Verwandtschaftstreffen in Dundenheim und Ichenheim, wo jeweils auch die beiden Enkel Clemens und Rudolf Rosset (inzw. verstorben) teilnahmen.

Nach dem gelungenen Vortrag von Herrn Pfarrer Dr. Dr. Würtz vor einer großen und aufmerksamen Zuhörerschar bedankte sich Vorsitzender Clemens Herrmann auch im Namen der Vorsitzenden Michaela Karl von Neuried beim Referenten recht herzlich und überreichte ihm einen gut gefüllten „Genießerkorb“.

    

Mit Senefelder begann das moderne Bilddruck-Zeitalter

 

 

Lithographenmeister Hanns-Peter Schöbel referierte beimHistorischem Verein  

Großer Andrang herrschte beim Vortrag: „Vom Punkt zum Bild“ im „Martinskeller“. Der Raum war bis zum letzten Platz besetzt.

Schutterwald. Vorsitzender Clemens Herrmann konnte eingangs viele Besucher begrüßen. Dabei fiel auf, dass eine große Zahl ehemaliger Kollegen aus der Branche des Lithographenmeisters Hanns-Peter Schöbel gekommen war. Anhand einer Bildpräsentation erläuterte Schöbel dieErfindung der Bilddruckkunst, die mit dem Erfinder Alois Senefelder 1796 in München begann. Dank Gutenberg gab es bereits den Buchdruck. Mit gedruckten Bildern haperte es noch. Alois Senefelder (1771 – 1834) aus München, der ursprünglich als Schauspieler arbeitete, erfand durch Zufall in der Wäscherei seiner Mutter den Bilddruck auf Stein. Er spezialisierte diese Technik immer weiter und revolutionierte den Bilddruck bis in die heutige Zeit. Unzählige Lithographen und Drucker standen von nun an in der expandierenden Druckbranche in Lohn und Brot. Hanns-Peter Schöbel zeigte anhand vieler Beispiele auf, wie sich die Druck- und Medientechnik bis in die heutige Zeit, auch in Mittelbaden für den Raum von Basel bis Karlsruhe entwickelte. Schöbel betonte jedoch, dass bei der revolutionären Entwicklung des digitalen Fotowesens und Arbeit mit dem PC, der Ursprung vom „Punkt zum Bild“ nach wie vor bestehen bleibt. 

Am Schluss erntete der Referent reichlich Beifall und bekam vom

Vorsitzenden des Historischen Vereins, Clemens Herrmann, ein
Weinpräsent überreicht.

 

Der Wunderheiler von Schutterwald        

 

 

Scharlatan oder Wohltäter?  

Der „Wunderheiler von Schutterwald“ im Fokus von Justiz und Wissenschaft 1974–1977.  

Zu Beginn des Jahres 1974 wurde der im badischen Schutterwald bei Offenburg lebende unscheinbare Handwerker Josef Weber (1945–1991) gewissermaßen über Nacht als vermeintlicher „Wunderheiler“ landesweit bekannt. Nicht zuletzt auf dem Hintergrund einer ausführlichen Sensations-Berichterstattung in der BILD-Zeitung strömten in den folgenden Wochen und Monaten Scharen von heilung- und ratsuchenden Menschen an Webers Wohnsitz in den kleinen Ort Schutterwald-Langhurst. Auch nach seinem Wegzug aus der Ortenau ins Markgräfler Land führte Weber seine „Wunderheiler“-

Praxis mit allergrößtem Erfolg fort. Der urplötzlich zur Berühmtheit gewordene und schnell zu Vermögen gekommene „Wunderheiler von Schutterwald“ beschäftigte in diesen Jahren neben der Öffentlichkeit auch wissenschaftliche Kreise, da man sich über die Qualität von Webers verblüffenden Heilungserfolgen Klarheit verschaffen wollte. Rasch aufkommende Betrugsvorwürfe stellten Weber schließlich in den Fokus der Justiz. Der „Fall Weber“ zog 1977 seine Kreise bis hin zum Bundesgerichtshof. In dem Vortrag, in dem in ausführlicher Weise zeitgenössisches Fotomaterial und Filmmaterial präsentiert wird, können erstmals auch neueste Erkenntnisse zum weiteren Lebensweg Webers vorgestellt werden. Der spektakuläre Fall des „Wunderheilers von Schutterwald“ setzt sich aus einem enormen öffentlichen Interesse, großen Erwartungen der Heilung suchenden Menschen, einer vielfältigen Medienberichterstattung, dem Erkenntnisinteresse der Wissenschaft sowie den Fragen der Rechtsprechung zusammen. Josef Weber – für die einen ein Wohltäter mit unerklärlichen Kräften, für die anderen nichts als ein geldgieriger Scharlatan, bildet gleichzeitig aber auch den Mittelpunkt einer äußerst verwirrenden Familiengeschichte.


Uwe Schellinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Grenzgebiete der Phsychologie und Phsychohygiene in Freiburg hielt am  5. März 2012  diesen vielbeachteten Vortrag beim Historischen Verein in Schutterwald. In der anschließenden Diskussion beteiligten sich mehrerePersonen über ihre Erinnerungen an ihre Erlebnisse zu den Ereignissen dieser Zeit. Die Mittelbadische Presse begleitete auf zwei Sonderseiten im OFFENBURGER TAGEBLATT in zwei Tagen (5./6. März 2012) diesen Vortrag.

 

Wir machen uns die Inhalte der verlinkten Seiten nicht zu eigen.

Links  hierunter:

 

Wissenschafliche Ausarbeitung: "Webers Hände" von Uwe Schellinger und Gerhard Mayer 

http://www.igpp.de/german/eks/webers_haende.pdf

 

Bericht im Offenburger Tageblatt von Klaus Krüger, 05.03.2012 

http://www.baden-online.de/news/artikel.phtml?page_id=68&db=news_lokales&table=artikel_offenburg&id=27732

 

Bericht im Offenburger Tageblatt von Klaus Krüger, 06.03.2012  

http://www.baden-online.de/news/artikel.phtml?page_id=68&db=news_lokales&table=artikel_offenburg&id=27747

 

 

 

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Unter "Neue Literatur im Jubiläumsjahr – 750 Jahre Schutterwald", stellte der einheimische Autor, Schreinermeister Eugen Hansmann sein neuestes Werk im Rathaus in Schutterwald vor. Bei dieser Gelegenheit überreichte er Herrn Bürgermeister Martin Holschuh ein Exemplar. Das Werk befasst sich mit dem Kirchenerbauer von Schutterwald und führt den Buchtitel: Joseph Hirschbühl, Vorarlberger Barockbaumeister und Bürger von Schutterwald. Sein Leben und Wirken in der Ortenau. Mit diesem aufschlussreichen Werk schließt der Autor Eugen Hansmann eine große Lücke der Unwissenheit über den genialen Kirchenerbauer, der auch die Kirchen in Grafenhausen, Ringsheim und Zell am Harmersbach sowie viele Profanbauten errichtet hat. Er war mehr als 40 Jahre Bürger von Schutterwald. Jahrelanges Forschen in den Kirchenbüchern, einschlägiger Literatur, Internet und eigenen Erkenntnissen, ist es dem Autor gelungen, Leben und Wirken dieses bisher verkannten, ja weithin unbekannten Meisterarchitekten, der sowohl unserem Dorf Schutterwald, wie auch den Gemeinden Grafenhausen, Ringsheim und Zell am Harmersbach mit ihren Kirchen im 18. Jahrhundert ein großartiges Gepräge gab, in Erinnerung zu rufen. Weitere markante Bauten, zum Beispiel in Ichenheim und in seinem Wohnort Schutterwald zeugen noch heute von seiner Schaffenskraft. Durch diese Aufzeichnung der Geschichte bekommt dieser Mann endlich ein „Gesicht“. Das Buch mit 102 Seiten erscheint im Selbstverlag und ist am Ende mit meisterhaften Farbabbildungen von Klemens Hansert zusätzlich belegt. Das Buch ist in der Buchhandlung Roth in Offenburg und in der Cecilien-Drogerie in Schutterwald zum Preis von 18,90 €, erhältlich. Für die Dorfgeschichte von Schutterwald hat sich unser Mitbürger Eugen Hansmann auch für nachfolgende Generationen mit diesem Werk verdient gemacht. Dafür gebührt ihm besonderer Dank!

 

 

 

 

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- Sehnsuchtsort Schutterwald -

        

Sehnsuchtsort Schutterwald